Vom Positiven des Scheiterns
19. Dezember 2007Scheitern scheint in der letzten Zeit zu faszinieren: In diversen Fachzeitschriften wird das „Scheitern“ thematisiert - unter unterschiedlichen Schwerpunkten.
Scheitern auf persönlicher Ebene ist Thema eines Artikels in der Wirtschaftswoche, Nr. 52 vom 21.12.2007 unter der Überschrift „Auf Wiedersehen“ (S. 146ff)), der Empfehlungen gibt, wie ein erfolgreiches Comeback inszeniert werden kann, am Beispiel von Klaus Kleinfeld, dem ehemaligen Siemens-Chef, Wolfgang Bernhard mit seinen Engagements bei Daimler-Chrysler und später VW oder Michael Träm, dem ehemaligen Europachef von A.T. Kearney.
Scheitern von Projekten wird thematisiert im HarvardBusinessmanager, November 2007, S. 14f. unter dem Titel „Autopsie am lebenden Projekt“ (Autor Garry Klein), der kritisiert, dass viele Mitarbeiter sich scheuen, Bedenken zu äußern, wenn Scheiterungsgründe erkennbar werden. Hierzu möchte ich die Aufmerksamkeit lenken auf einen „Klassiker“ zu genau dieser Thematik: In Jerry B. Harvey: The Abilene Paradox: The Management of Agreement. In: The Abilene Paradox and other Meditations on Management, 1988, S. 13ff. Hier wird diese Problematik des Verdrängens von gescheiterten Projekten sehr anschaulich und pragmatisch nachvollziehbar behandelt. Harvey zeigt deutlich, dass der Umgang mit gescheiterten Projekten kein „modernes“ Thema ist, sondern nur „alter Wein in neuen Schläuchen“. Das bedeutet: Wie man mit dieser Problematik umgehen kann, ist bereits seit langem bekannt - warum ist daraus nicht längst ein konstruktiver Lernprozess entstanden, der ähnliches verhindert? Es scheint, dass es weiterhin, gerade auf diesem Gebiet, zu sehr „menschelt“.
Weitere Autoren versuchen sich ebenfalls an dieser Thematik des Scheiterns, z.B. Rita Gunther McGrath und Thomas Keil: Gescheiterte Projekte, in: HarvardBusinessManager, September 2007, S. 76ff., Stefan Michel: Die Vorteile schnellen Scheiterns, HarvardBusinessManager, November 2007, S. 18ff., sowie Bernd Kriegesmann; Friedrich Kerka; Thomas Kley: Fehlertoleranz: (k)ein Humus für Innovationserfolge, in: Organisationsentwicklung, Nr. 4/2007, S. 76ff.
Letztlich geht es um die Frage: Welchen Umgang mit Fehlern und Scheitern bestimmt die Unternehmenskultur (oder im Falle des persönlichen Scheiterns: Welche Werte bestimmen meinen Umgang mit Fehlern und Scheitern?). Ein neues/altes Thema, dem sich m.E. noch viel zu wenig Führungskräfte und Unternehmen konstruktiv stellen. Vielleicht ein interessantes, wenn nicht interessanteres Thema für persönliche Coachingprozesse oder innerbetriebliche Workshops als die üblichen Seminare zum Thema „Führung“ oder „Strategie“?